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AN DANIEL EHRENFRIED STÖBER

   

Sr. Wohlgebohren dem jungen Herrn Stöber vor allen Dingen einen freundlichen Willkomm ins Leben, einen heitren Sinn und ein frommes Herz und früh eine hybläische Biene auf die Lippen, Ihnen aber, Bester, meinen frölichen Dank für die freundschaftl. Mittheilung Ihres Glückes und Ihrer Freude und Ihrer schönen Gedichte.

Aechten protestantischen Mannes Sinn und Muth spricht Ihr Ref.[ormations] Lied frey und schön und kraftvoll aus. Nur eine kleine Bemerkung erlauben Sie mir zu der Stelle

„Woll uns rein dein Wort erhalten"

Vielleicht kommt der Imperativ Wolle in den Straßb. Kirchengebeten oder Liedern vor und ist dadurch dort in die Gebetssprache recipirt und nimmer auffallend. Sonst könnte, ohne mit dem Reim ins Gedränge zu kommen, die Bitte in den Ausdruck der Zuversicht und höheren Begeisterung umgesetzt werden:

(dir vertraun wir), Herr der Sphären
Du wirst uns dein Wort                 

Zum Trinklied möchte ich Sie nur geschwind hier haben, um es unter bidern Freunden und vollen Pokalen mit Ihnen singen zu können. Vielleicht ließen Sie sichs dann — gefallen, wenigstens für einmal so mitzusingen:

Str. 2. Z. 6. Wer nicht Wein liebt, Weib und Lieder.

  — 4. — 1.   —    —     —   hehre
                                                    Wonne
                                      süße

Str. 6. — 1.    2. Biedre Männer, edle Greise, fromme Mütter,
               oder: Edle M. hehre Greise, f. M.
         Z. 3.       Trinkend wallt die            L. R.      ?
                       Trinkt zur frohen             L. R.      ?
            —   —   auf frohe                       L. R.      ?
                  —   euch Muth zur                L. R.      ?
         Z. 4.        Heil dem Lied und Heil der Rebe.

Die 6 te Zeile versteht man wohl und gleitet leicht darüber weg. Genau genommen aber müßte, da „Rosenmund" kein eigenes Casuszeichen des Dativs hat, das m aus „grauem" und folglich das ganze Wort auch zu Rosenmund herübergezogen werden: grauem H. und grauem R. M. — Argutiae?

Indessen ist schwer zu helfen. Etwa so?

            Heil d. Lied u. Heil d. Rebe! ......!
            Greisenhaupt u. Rosenmund, ....,
            alles Gute"

Mit Herrn Lembke's Gedichten muß ich etwas unsorglich umgegangen seyn, was Sie ihm aber nicht sagen werden. Außer einigen, deren Innhalt nicht vor das Publikum kommen kann, finde ich ein einziges, das ich Ihnen schicke, ob ich gleich seine Aufname nicht wünschen möchte. Ich selber muß Sie für dieses lahr um Dispens bitten. Alle guten Genien sind von mir geflohen, nur der Genius der Freundschaft nicht, der mich umschwebt, indem ich mich unterschreibe

den Ihrigen      H.                

d. 28 ten Aug. 1808.

 

 

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