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AN FRIEDRICH AUGUST NÜßLIN

   

Die Verspätung meiner Antwort auf Ihr werthestes Schreiben setzt mich, verehrter und theuerster Herr Hofrath, in den Stand Ihnen die Nachricht ertheilen zu können, daß der G[roß] H[erzog] sich für die Angelegenheit der Mad. Matthy scheine interessirt zu haben und daß ihr Gesuch ohne Zweifel einen erwünschten Erfolg haben werde. Meine Freude darüber ist desto größer, da sie zugleich eine Theilnahme an der Ihrigen ist.

Ich war in der vorigen Woche mit den Vorbereitungen zum Auszug in eine andere Wohnung und mit den Prüfungen von 12 iungen Geistl[ichen], unter welchen sich Ihr Deitigsmann löblich auszeichnet, ungewöhnlich in Anspruch genommen.

Sie gedenken noch, wie es scheint, mit einigem Unmuth der Wiederbesetzung von Dolls Lehrstelle. Warum haben Sie den Freund nie ein leises Wort darüber vernehmen lassen? Ich würde Ihnen abgerathen haben, — ich würde es noch iezt. Nicht nur mein, sondern aller Ihrer Freunde Urtheil war es, daß Sie für Zurücksetzung in ieder Hinsicht keinen andern Ersatz gewonnen hätten, als das nemliche Warten auf Besseres, nur an einem andern Ort. Wie können Sie daran denken, daß Gerstners Freundschaft und gute Meinung Ihnen entfremdet sey und sogar durch den Genannten. Dieser wird sich gegen Gerstner eben so sehr als gegen mich hüten, einen Versuch dazu zu machen, wenn Sie ihm auch den guten Willen dafür zutrauen. Doch mehreres davon mündlich, wenn sich die Rede dazu ergeben wird. Denn ob ich gleich mit großer Warscheinlichkeit und eben so großem Bedauern darauf verzichten muß, Sie diesen Sommer in M[annheim] zu sehen, so wird es doch noch in diesem Jahr geschehen. Meine beste Empfehlung Ihrer edeln Gattinn und freundliche Grüße den guten Kindern. Mit bekannter Hochachtung und Liebe

Ihr ergebenster      Hebel          

d. 4ten Juni 1826.