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AN FRIEDRICH AUGUST NÜßLIN

   

Ich werde, verehrter und theuerster Herr Hofrath und Freund, auf den Sonntag Abends in Mannheim ankommen. Billig sollte ich Anstand nehmen, Ihr gastfreundliches Haus abermal mit meiner Einquartirung zu belegen. Ich sollte vielleicht sogar einem andern Anstand, den man mir unter die Augen rücken wollte, eine ernsthaftere Erwägung widmen. Aber wie kann ich Ihrer abermaligen liebevollen Einladung widerstehen, wie kann ich, lassen Sie mich so eigennützig sprechen als ich bin, den köstlichen Stunden entsagen, die mir iedesmal in der lieben Umgebung Ihres Hauses zu Theil werden. Ich komme zu Ihnen, aber ich rechne auf die Gewährung einer wiederholten Bitte, auf die süßeste, die mir widerfahren kann, daß Sie mich durch nichts zur Erinnerung kommen lassen, daß ich etwas Fremdes in Ihrem Hause sey, wo es so gut ist, einheimisch zu seyn. Dieses Glück wird selbst etwas balsamisches für mich haben, denn ich komme diesmal — erschreken Sie nicht — in der Qualität eines Patienten zu Ihnen, doch Gottlob ohne Arzneigläslein, auch ohne Bedürfniß von Kraftbrühen, zarten Gemüslein etc., nur mit dem Bedürfniß des Stillelebens unter einem freundlichen Dach. Doch mehreres alsdann, und iezt nur noch den Ausdruck meiner herzlichen Verehrung Ihrer edlen Gattinn, und der aufrichtigsten Liebe

Ihres ergebensten     Hebel       

CR. d. 6ten Sept. 1826.