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AN FRIEDRICH AUGUST NÜßLIN

   

Theuerster Herr Hofrath und Freund!

Sie werden demnächstens durch Erlaß erfahren, daß dismal die Prüfung in Heidelberg voran gehen und folgl. in Mannheim erst den 24. Sept. beginnen wird.

Aber was soll ich zu der überschwenglichen Güte und Liebe sagen, mit welcher Sie und Ihre edle Gattinn mir abermal durch Ihre herzliche Einladung entgegen kommen. Auf der einen Seite die Hoffnung, des schönen Genusses, der mich vor einem Jahr in Ihrem Hause und in Ihrer Mitte so sehr beglückte, zum zweiten mal theilhaftig zu werden, und iene mir festlichen Tage wie ein Anniversarium wieder zu begehen, und auf der andern die gerechte und mich drückende Besorgniß, Ihnen in Ihrer gegenwärtigen häuslichen Lage auch nur im geringsten beschwerlich zu seyn, und mir bewußt zu seyn, daß ich mit Ihrer Güte auch eine Aufopferung von Ihnen annehme, so sehr Sie es mir verbergen — Doch ich will nicht länger abwägen, da ich durch Ihre herzliche und verbindliche Einladung, und alles was in ihr erfreuliches, hocherfreuliches ligt schon besiegt bin, und wohl dismal auf die Erfüllung einer angelegentlichen Bitte hoffen darf — Sie beglücken dadurch Ihren Freund — wenn Sie mich nicht wollen zur Erinnerung kommen lassen, daß ich nicht zu Ihren täglichen Hausgenossen gehöre, mit denen man keine besondern Umstände macht. Ich komme also den 23sten Abends. Logiren Sie mich, wohin Sie wollen, machen Sie alles, wie es Sie am wenigsten geniert. Ihr lieber freundlicher Blick ist mir immer das köstlichste.

Ich grüße und verehre die Theuren Ihres Hauses und Herzens, und bin mit unveränderter Hochachtung und Freundschaft

Ihr ergebenster       Hebel          

Carlsr. d. 30. August 1824.

 

 

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