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AN FRIEDRICH AUGUST NÜßLIN

   

Theuerster Herr Hofrath und Freund!

Ich werde durch die Erfahrung, wie lange ich meine Briefe liegen lasse, wenn ich sie nicht sogleich beantworte, nimmer gebessert, zu mal gegen so gütige und nachsichtsvolle Freunde, wie Sie sich gegen mich schon so lange und oft bewiesen haben. Daß ich das letztere ii den geschäftsvollen Tagen der Prüfung habe anstehen lassen, entschuldigen Sie wohl gerne, und halten auch mir auf meine Bitte dar Uebrige zu gut. Daß Ihr ehemaliger Zögling in der Prüfung mit großer Ehre und gerechtem Beifall bestanden sey, wissen Sie und waren dessen durch Ihre frühere Bekanntschaft mit ihm, und ich durch Ihr ehrendes Zeugniß zum Voraus versichert. Wen Nüßlin so empfiehlt, der kann nur sehr gut seyn.

Der schönste Theil des Sommers geht vorüber, und noch ist unsere löbliche Uebereinkunft, uns in Waghäusel zu sehen, nicht in Erfüllung gekommen, was mir sehr leid ist. Bald hatte Dieser bald Jener eine Verhinderung, und es war ia immer noch die nächste Woche übrig, bis zuletzt wohl keine mehr übrig ist. Ich rechnete noch auf die Sommerferien, aber da flog mir Alles aus, und ich, der ich noch allein hier sitze, surrogire mir ietzt an dem verlorenen Vergnügen, so viel sich surrogiren läßt, und hoffe, wenn nichts dazwischen kommt, Sie in einigen Wochen in Mannheim zu sehen.

Ich grüße die Verehrten und Theuren Ihres Hauses und bin mit unveränderter Liebe und Hochachtung

Ihr ergebenster Freund      Hebel             

Carlsr. d. 6. August 1824.