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AN FRIEDRICH AUGUST NÜßLIN

   

Den 27. Sept. 1813      

Also ein Brief! — Ja, lieber Freund, zu meiner Klage nur ein Brief, und mit ihm meinen besten Dank für Ihre liebe freundschaftliche Einladung, die wir leider Alle nicht benutzen können, indem wir unsere Lectionen noch bis den 2. October fortsetzen und gerade in diese Woche unsere sogenannten stillen Prüfungen fallen. Ich weiß nicht, ob Sie diese an Ihrem Lyceum auch kennen. Sie verhalten sich zu den lauten, wie schier alles Stille zu allem Lauten, z. B. Mahlzeiten, Leichen, Musik, Hinrichtungen. Sie nützen etwas, nicht viel, und der Director wird damit geplagt, weil er's sonst nicht wird. Aber das Versprechen, im Frühiahr in den schönen Tagen Ihres Besuches bei uns! Darinn, lieber Director, geht es mir immer noch, wie den armen Vögeln im Käfig, die sich nicht abgewöhnen können, zu glauben, wenn die Zeit zum Wegzug kommt, sie kommen fort. Aber eigentlich halten Sie auch dort die Prüfung um eine Woche früher, als es bei uns üblich ist, wenn solche im Herbste gehalten werden.

Meine Vorstellung, betreffend den Schul-Actus habe ich nicht vergessen, sondern verloren oder verlegt und bitte um Verzeihung und Geduld bis ich sie wieder finde. Künftige Woche begleite ich Herrn K.-R. Sander zu den Prüfungen in Freistedt und Kork, und weiß wen ich dort zu finden wünsche und sogar hoffe.

Meinen Herren Collegen theile ich Ihre Einladung mit, theils weil es sich so ziemt, theils damit ich habe, die sich mit mir ärgern über den Unschick des Geschicks. Den Professor Doll der es schon weiß, sollten Sie sehen. Ich bitte Sie auch, Ihren Herren Collegen für ihre wohlwollende Einladung unsern Dank zu bezeugen und immer recht gut zu bleiben

Ihrem ergebensten Freund    Hebel