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AN FRIEDRICH AUGUST NÜßLIN

   

Ich bitte Sie, theuerster Herr College und Freund, sehr um Verzeihung meiner Schlauderhaftigkeit. Denn diese, nicht Vergessen, ist Schuld, daß Sie die Reden noch nicht haben, wiewohl der Abschreiber nimmt mir an der Schuld auch 10 bis 12 Tage ab. So lange ist es, daß er an der zweiten — ich glaube bald in Kupfer sticht. Ich erwarte sie ieden Tag, und gebe dann beide unserem Freunde Doll für unsern Freund Nüßlin. Da Sie auf das kleine unbedeutende Capital einigen Werth zu legen scheinen, so bin ich im Stande, Ihnen als Zins eine dritte lateinische von Gebhardt von Schopfheim nachzusenden, den Sie vielleicht kennen, für den Sie sich vielleicht interessiren. Alles Gute darinn ist von ihm, nur das Beste von mir. Das darf ia der Lehrer wohl sagen. Ausschließlich sein ist der nur zu üppige Reichthum schöner, meist glücklicher Vergleichungsbilder, die Sie darin finden werden. Wenn ich Ihnen nur recht Vieles anzubieten und zu leisten wüßte, was Ihnen angenehm sein könnte.

Wie sehr verdienen Sie meinen Dank durch die Güte, die Sie meinem Recruten bewiesen. Er hat uns dieselbe gar dankbar gerühmt. Ich bitte Sie, ihm anliegenden Brief zuzustellen, den ich Ihnen offen schicke, wie ich ihn von Weil erhalten habe. Es ist gar zu lieblich, gute Menschen in Herrn- und Knechtsgestalt so gegen einander über zu sehen. Aber den Gruß an Sie, der darinn enthalten ist, übernehme ich und versichere Sie mit demselben des herzlichsten Dankes aus dem Pfarrhause zu Weil.

Herr von Holzing läßt mich freilich lange auf die Erfüllung eines Versprechens warten. Ich habe nicht Ursache zu glauben, daß er mich täuschen wolle. Doch scheint es, er habe es vergessen. Wegen seiner öftern und langen Abwesenheiten von hier konnte ich ihn nur einmal erinnern. Gestern geschah es zum zweitenmale. Er legte ein Papirlein mit Stephan's Namen in die Tabaksdose und versprach mir seine Auslösung in fünf Tagen. Erfolgt sie in dieser Woche nicht, so bitte ich Herrn Staatsrath Fischer um Rath. Von dem Ausmarsche am 15. soll keine Rede sein. Ich bitte Sie, dem Stephan dies einstweilen zu sagen und ihn von mir zu grüßen.

Mögen wir, lieber Freund, ja keine Schuld an Ihren erlittenen Brustbeschwerden haben, dessen Wohlsein uns so theuer ist. Lieber wollen wir unsere Gichten behalten, und im Herbst neuen Stoff dafür in M[annheim] holen. Also sollen wir im Ernst den Franzosen mitbringen?

Mit herzlicher Theilnehmung wünschen wir Ihnen ununterbrochene Gesundheit zu Ihrer schönen fruchtbaren Thätigkeit, und ich bin von ganzer Seele

Ihr ergebenster Freund     Hebel             

Den 2. Mai 1808.

 

 

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