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AN CHRISTOF FRIEDRICH KÖLLE

   

Ich will Sie beim Wort nehmen, theuerster Freund, nemlich, daß Sie erst anfangen mir böse zu werden, wie Sie an Herrn von Bide[n]feld schreiben, und bitte Sie, es bei dem Anfang, oder vielmehr nur der Drohung dazu, die ganz ihre Wirkung thut, bewenden zu lassen. Ich weiß wohl, es wäre kein Wunder — Aber Sie wissen ia, wie man ist, oder vielmehr, wie ich bin, und wie schwer ich daran gehe, etwas zu thun, was ich nur mit Unmuth thun kann — nicht Briefe an Euch schreiben Adiunkt — sondern einem Euerer Wünsche aus dem Wege zu gehen. Denn in der That, ich wüste aus dem Lumpenspiegel kaum etwas besseres und launigeres zu machen, als er ist, und kaum etwas neues hinzuzusetzen, als etwa die Charakterzeichnung eines Museumslumpen, wozu ich wenigstens die ersten Grundzüge nahe hätte. Ich denke eben im Ernst und neuerdings daran einige meiner Weihnachtspredigten zwar in einer etwas andern Form, über die ich iedoch mit mir selbst noch nicht einig bin, herauszugeben. Ich hoffe diesen Sommer Muße und Laune dazu zu finden, und sie werden so gegen Weihnachten hin ganz in ihrem Tempo erscheinen. Will sich H. Fues damit befassen, so soll sie kein anderer haben. Den L[umpen] Sp[iegel] schicke ich Ihnen durch einen unserer Jünger, die dieses Frühiahr nach Tübingen gehen werden, zurück.

Man lebt hier, Sie wissen schon, wie — nemlich noch immer so. Ihre Freunde sind wohl, und glauben nicht mehr, daß Sie nach Italien gehn, wo ich an Ihrer Stelle schon lange wäre. Erweisen Sie dem Bidenfeldischen Almanach etwas Gutes, was Sie zuvor durch klugen Rath schon sehr gethan haben.

Von Herzen der Ihrige     Hebel             

D. 12ten Merz [1816] *

 

 

   

* Hebel schreibt irrtümlich 15, doch aus dem Poststempel
 geht einwandfrei 1816 hervor.