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AN CHRISTOF FRIEDRICH KÖLLE

   

Indem ich, lieber Freund, wenigstens mit Ihrer halben Einwilligung noch einen Vers als Signal zum feierlichen Paukenschlag und Trunk Ihrem Lied ein- oder anflicken wollte, sehe ich, daß Sie es allerdings im Anfang der 2ten Strophe: „Den kenn ich wohl, dem dieses gilt etc.," schon selber gethan haben, und daß sich die 4te Strophe durch ihre lezte Zeile „werd Er zuerst genannt", schön darauf bezieht. Deswegen wollt ich mir iezt, auch nicht mit Ihrer Erlaubniß, erlauben dem Lied ein Ueberbein anzuschiften.

Dagegen seyen Sie nicht wunderlich und billigen Sie mir den Vorschlag zu einer kleinen Veränderung der I. und 2ten Zeile der zweiten Strophe, etwa so: „Wem tönt der frohe Becherklang? Carl Friedrich tönt er zu", oder was Sie besseres angeben wollen. — Denn

erstlich, so fein und lieblich an sich der Ausdruck „den kenn ich wohl" allerdings auch ist, so scheint es mir doch, daß Er in einer gemischten großen Gesellschaft beym feierlichen Ausbringen seiner Gesundheit sollte genannt sein.

Zweitens sagt der Ausdruck: Ich brings ihm zu nach dem Sprachgebrauch doch etwas andres, als wir damit sagen wollen, und etwas, das sich gegen einen Landesfürsten fast nicht schicklich sagen läßt.

Ich erbitte mir Ihre Antwort, und werde von Ihrem Manuscript, das Sie mir anvertraut haben, keinen Gebrauch machen, den Sie nicht billigen.

J. P. Hebel             

D. 21ten [November 1810]