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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

Dein Catechism, o Zenoides, ist mir wie der Thau, der [vom] Hermon herab auf die Berge v[on] Zion träufelt. Ich ergötze mich an dir und an ihm, an seinen schönen praktischen Tendenzen, worinn er alle, die ich kenne, hinter sich läßt, selbst an dem leichten Anflug der sogenannten Orthodoxie, der wie ein durchsichtiges Hemdlein das schöne nakte Evangelium deckt.

Unsere theologischen Radicalreformer und Carbonari sind ungerecht gegen die Dogmen der Kirchenlehre. Sie ist der ehrwürdige Rost und Grünspan, der sich in der Reihe der Jarhunderte zuerst an dem Evangelium angesetzt und hernach eingefressen hat. Man kann ihn nicht mehr rein wegschaben, ohne etwas von dem edeln Metall abzukratzen. Man kann dieses nur noch in seiner Cruste conserviren.

„Im einzelnen — sagst du — kann und muß noch, vieles geändert werden." Dis ermuthiget und rechtfertigt mich, hierzu einiges vorzuschlagen. Es soll kein Tadel, es sollen nur andere Ansichten zur Vergleichung und Prüfung seyn und wenn ich umständlich und kleinlich oder, wie es Cicero mit einem Wort sagt, putidiusculus werde, ich bin es willens, so kannst du dessen keinen wahreren Grund denken als Freundschaft und den Wunsch, daß dieser Catechism den Sieg vor allen einstimmig davon tragen möge ...

[Folgt eine Reihe von Bemerkungen zu einzelnen Fragstücken.]

... Meine Antwort auf deinen Brief nächstens. Gott stärke und erhalte deine wiederhergestellte Gesundheit und deinen lebendigen frommen Eifer zur Vollendung des heiligen Werkes, der ich mit Sehnsucht entgegen sehe, um mich des schönen reinen Gantzen freuen zu können. Meinen Gruß der frommen Daube. Herzl[ich] und ewig

Dein     Parm.             

D. 24ten Febr[uar 18]21.