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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

[Geschäftliches. Verwendung zugunsten von Hitzigs Schützlingen.]

. .. Man spricht neuerdings von Abtrettung des O[ber] L[ands] und Breisg[aus] an Östr[eich] gegen Würzburg und Aschaffenburg, vielleicht auch schon bei euch. Werde nicht unruhig darüber. Nach authentischem Versicherungen, als diese Gerüchte ohne Ausnahme sind, verliert der G[roß] H[erzog] nichts, kein Dorf, es wäre denn Sache, daß er freiwillig abträte. Aber das O. L. ist ihm noch nicht verleidet. Der Wiesenkreis soll mit dem Freiburger vereinigt werden. Das hieße so viel, als sie sollen bald alle eingehen. Doch wird der Durlacher wieder besezt durch O[ber] vogt Betz, also wenigstens durch keinen Adelichen mehr, und freilich könnte man den Creis, in dem die Residenz ligt, nicht zum Appendix eines andern machen.

Daß Hüningen belagert wird, ist mir ein Beweis, daß die h[eiligen] Aliirten Elsaß nicht verlangen. Denn wozu sonst diese gefärl[iche] und kostbare Unternehmung um einen Punkt des Ganzen? In Basel mag sich iezt viel Angststoffgas entwickeln. Etwas daran gönne ich ihnen und möchte — an deiner Seite — gerne eine Stunde drinn seyn und die iammervollen Kyrie eleisa hören. Aber leid wäre es mir, wenn der Stadt selbst ein Leid geschähe, in der ich gebohren bin, und zwar iust in der Santehans ni fallor n. 14, das
2te Haus vor dem Schwiebogen, und wo ich viel gutes genossen und wo wir manches proteusische Stündlein verbracht haben.

Grüße mir die Daube und die Däublein und die Laren euers Herdes, die mich auch noch angehn. Süß schmecke euch das Süpplein an ihrem Feuer gekocht. Herzl[ich]

Dein     Parm.             

20. Aug[ust 1815]