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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

D. 13. Aug. [1812]           

Dem armen Sievert ward ein bitterer Kelch gemischt. Möge er sein Loos so leicht aufnehmen, als es möglich ist, und die entrissene Ruhe nicht vergeblich in iener Abgeschiedenheit wieder suchen,

wo Kuh und Hirtenbube
den Wald durchbrüllt,
wo sich die Wasserstube
der Kinzig füllt,
wo sich in Wolken,
so trüb wie Molken,
so schwarz wie Dolken
der Kirchthurm hüllt.

Schlecht ward ihm der Faden des Schicksals gedrüllt. — Dir werde auf deinem neuen Posten viel Segen und Freude zu theil. Möget ihr nur gesund bleiben und euch bald gewohnt haben, ohne ein Thränlein im Aug oder wenigstens im Herzen nach dem Röttler Berg und Schloß hinab zu schauen, wo ihr so viel Liebe zurück laßt, so werdet ihr gewiß euer Loos segnen.

Mir ist der Wunsch meines Herzens erfüllt. Ich hätte dem Fleck, der mir auf der ganzen Erde, die doch 9,288,000 Quadratmeilen Oberfläche haben soll, der liebste ist, keinen andern Bischof gewählt, als dich und dir, wenn dein Schicksal in meinen Händen stünde, keinen andern Platz, als diesen, wenn er dir werden kann und seyn wird, was er in meinen Augen ist. Und sieh, du Spröder, der du dich mir immer mehr zu entziehen suchst, das müste ich dir sagen, wenn ich auch seit 1799 keinen Brief mehr von dir bekommen und keinen mehr zu erwarten hätte, was ich auch für möglich halte.

Vielleicht aber weht dich iez Proteus durch die Langenau hervor mit einem andern Geist an und die Götter des Thals, die Oreaden und Naiaden, die mir auch noch befreundet sind, reden ein anderes Wörtlein mit dir, als die Burggeister des Bergs.

Sie sollen dir alle hold seyn, wenn sie anders wollen, daß ich ihnen ferner Gelübde und Lieder bringe und Weirauch anzünde. Von Herzen Euer

*)                      

 

 

   

 *) Unterschrift ausgerissen