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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

1805 (?)

Hier sitze ich lieber Zenoides, so zu sagen wie ein Pfund Schnitz, oder noch einfältiger, während Hr. Hr. K. R. Walz, Sander und Gesellschaft ins liebe schöne Oberland eilen. Ich habs lang zu weg gelegt, und gemeint, ich müß auch die Fittige ausspannen. Aber mancherley Gründe contra denen nichts anders als ein „doch möcht ich gern!" entgegenzusetzen war, waren gar zu sprechend.
Nichts weniger herzlich dank ich dir gleichwohl für die freundschaftliche Einladung und behalte sie in guter Erinnerung.
Unterdessen pützele und mützele ich am Wälderbüblein, das dich grüßt, und dir für deinen wohlwollenden und kräftigen Vorschub das Händlein ummestreckt.
Hier wirds von seinen Landsleuten wenig geachtet, aber die Unterländer und Fremde haben zum Theil große Freude an ihm und seinen Sprünglein.
Rath Schnetzler in Freyburg posaunt frisch im Breisgauer Wochenblatt und wird nächstens wieder einen Stoß thun. Ein Profess. Fellner daselbst hat den Sommerabend schon übersetzt, und mir zugeschickt. Hier eine Stelle zur Probe, die mir die gelungenste scheint.

Drum ist sie auch so matt und müd,
und braucht zur Ruh kein Abendlied
kein Wunder wenn sie schnauft und schwizt
Sieh wie sie auf das Berglein sizt
Iezt lächelt sie und sinkend zu,
und wünscht uns allen guten Ruh?
Nun ist sie fort, Gott segne dich!
Noch drehet auf dem Thurme sich
Der Hahn nach ihr. Verfolge nur
Der lieben Sonne letzte Spur ec. ec.

Was sprechen Euer Ehrwürden zur Erweiterung unserer Gränzen? Saperment nun werden wir Leute! und sogar eine Seehandelnde Nation nemlich mit Weißkraut und Grumbirnen auf dem Bodensee. Hier unten thun die Bruchtaler gar zahm und zutäppisch! Die Pfälzer zwingen sich auch dazu, während der Churfürst noch so arg wie die ehmalige Evakuationscommission der franz. Armee wegschleppt. Was nicht zu nehmen ist, wird noch versezt und Schulden drauf gemacht, und sind schon genug alte da.

                                                       ******

Zwischen Wollfarthsweier und Ettingen sind römische Ruinen entdeckt worden, die einen großen Umfang verrathen. Man grabt seit einigen Tagen. Gestern war ich zum zweitenmal da. Schon sind mehrere Fundamentmauern aufgedeckt und werden noch weiter verfolgt. Ein Zimmer ist ebenfalls am Tage, gestern entdeckte man das zweite. Auch verfolgt man eine Keller Treppe von der 3 Stuffen schon sichtbar sind.
Indessen erwarte ich nicht viel interessantes von dem Fund, weil man überall aus den Fundamenten ist. Doch hat man schon eine artige Lampe von Bronze, einen Schlüssel, viele Nägel, Scherben von gemeinem Geschirr und edlern Gefäsen, eine mit der Aufschrift Erial (is) gefunden. Einige vermutheten ein Bad, andere und ich eine Villa oder irgend etwas anders als ein Bad. Doch sind Quellen da, und Wollfarthsweyer ist schon zum Lacus salutifer gemacht. Gott schenke Euch liebe Theure einen reichen, und gönne Euch einen vergnügten Herbenet. Dem Netoreck meinen freundlichen Gruß und Verbindlichen Dank für die brave Zeichnung. Mit herzlicher Freundesliebe

                                                                Dein

                                                                                               H.

Herrn Pfarrer Hitzig,
                           in
                               Rötteln

 

 

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