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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

 

 


Deine beiden Predigten mein theurer Zenoides sind nach meinem Urtheil für das Publikum, dem sie bestimt waren, wie von dir zum Voraus u. ungelesen zu erwarten war, sehr gut berechnet, chräftig, den Fleck treffend – eben deswegen vortrefflich – aber eben deswegen vielleicht an sich kein Gegenstand für eine größere Divulgation.* Ich würde dir daher, wen es dein und nicht Flicks p Gedanken gewesen wäre sie zu drucken, vielleicht nicht bestimt dazu geraten haben.
Aber we
n Flick sie will, und N. 6. auf seine Rechnung vile**, wie wohl zu vermuthen ist, so gib sie ihm in Gottes Namen u. herzhaft hin. Sie werden die bey iedem der sie list als das was sie sind u. seyn sollen Friedenspredigten in Rötteln, Ehre machen, und muß man nicht iede Gelegenheitspredigt und iede Schrift iedes Namens als das lesen, u. beurtheilen u. genießen, was sie seyn soll? Und hat der Thon eine Stimme, der das nicht thut?
Auch Sander, dem ich deine stillschweigende Genehmigung voraussetzend, dies Predigt zu lesen gab, notirt ohne alle Restriktion du sollst sie hergeben.
Die Walzische Pred. musste obgleich hier öffentlich gehalten, zur Revision u. Censur gegeben werden. Gockels ditto. Ich wollte also die deinigen einen Posttag länger das heißt bis heute behalten, weil ich gestern zu Brauern xxx. Ich wollte sie ihm vorlesen, und hoffte, we
n er nichts oder wenig zu ändern drin fände, die Zeit zu gewinnen, und sie heute mit der Erlaubniß des Drukes zurük schicken zu könen. Allein er behauptete daß sie ins Consistorium gegeben werden müssten und berief sich auf ein Gesetz von ano 1741. Also mach, daß sie bald komen u. wen du sie nicht Brauern oder Walz selber schicken und schnelle Förderung empfohlen willst, so schicke mir sie wieder, wo möglich aufs nächste Consistorium.
We
n es nicht fast die Mühe einer ganz neuen Umarbeitung erfordert, so möcht ich dir rathen, beide Pred. in einer zusamen zu ziehen.F Sehr viel Lebens [?] werden sie nicht brauchen. Die öftere nahe Widerkehr des nemlichen Ausdrukes, u. hier u. da einige Einförmigkeit in der Construktion. besond. in Ausrufung u. fragen, wird dir vielleicht selbst bemerkbar, und gewiß zu verwischen leicht machen. Statt Vater deiner Menschen möchte ich, wie wohl auch aus Gefühl wofür ich kein Bestimte Rechenschaft geben kann, lieber eur Vater der Menschen, lesen.
Walzens Pr. soll mit folgen, wen sie noch zu haben ist. Die Rheinischen Musen*** sind noch nicht da. Ich wollte dir geschwind die Ankündigung davon zurecht legen, finde sie aber in diesem Augenblick nicht. So viel erinnere ich mich, daß das 1ste Heft (es wird eine fortlaufende Monatsschrift) mit dem Jul. soll ausgegeben werden. Du hast also noch Zeit dich zu besinnen. Harrer **** hat mir das erste Heft sobald es heraus ist, zu schicken versprochen, u. es steht dir alsdan zur Einsicht zu Diensten. Doch wirds alsdan in Basel auch zu haben seyn. Scripsi Calamo Fugitavo.*****

                                                   Dein
Mitwochs.                                                                                werther H.
                                                                                                 

 

Ich hoffe die Walzische Predigt, die hier anligt werde dich nicht muthlos machen, die deinen im vertrauten Kreis einer Dorfgemeinde gehalten, zum Lesen zu geben. Dein Onkel! - aber - viel Worte!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
     F Dieser Meinung ist iedoch Sander nicht.

    Aus F. W. Hitzigs Nachlass - bisher weder transkribiert noch veröffentlicht.

* Divulgation = Verbereitung
** vile = fiele
*** Rheinische Musen : Journal für Theater u. andere schöne Künste,
      erschienen von 1794 - 1797 in Mannheim (Verleger: Kaufmann)
**** Person unbekannt
***** Könnte sinngemäß lauten: Ich fliehe vom Schreiben mit der Feder.

Konsonantenverdoppelungen schreibt Hebel mit Reduplikationsstrich:
m = mm ; n = nn ; t = tt ;