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AN FRIEDRICH KARL UND HENRIETTE SCHÜTZ

   

Theuerste beste Freunde!

Herr D. Dyondi schreibt mir von Würzburg aus, daß er nicht selbst durch CRuhe komme. Daß ich ihm nun die Prachtausgabe des Cal.[enders] nicht für Sie mitgeben kann, ist zwar das kleinste Unglück. Der Calender hat seit 1816, mit alleiniger Ausnahme des Jahrgangs 1819, den Sie ia haben, so viel ich weiß, einen andern Verfasser, und ist nach einem alten prophetischen Emetikum von Kölle geworden ein Kahl-Ender. Aber bald schicke ich Ihnen den 2ten Theil des Schatzkästleins und für Sappho und Axel, die herzigen, meine biblischen Geschichten. Aber wie viele, viele Fragen an H. D. Dyondi hätte ich auf dem Herzen gehabt, z. B. wie gut Sie mir noch seyen, deren Befridigung ich mir nun ferner noch, wie bisher nur mit meinen besten Wünschen und Hoffnungen ersetzen muß. O, mögen Sie glücklich, recht glücklich seyn, und gut sind Sie mir ia, das sagt mir ia Ihr Brieflein, und halten mir ia sogar mein langes Schweigen zu gut.

Zwar es ist mir etwas zu gut zu halten. Ich bin seit zwei Jahren nimmer recht gesund, nie heiter, fast immer trübsinnig, verdroßen zu allem, was ich thun soll, selbst was ich sonst mit Liebe und Freude that. Die Hypochondrie kann es indessen nicht seyn, weil ich glaube, sie sey es. Denn man sagt mir, daß die welche mit diesem Uebel behaftet sind, es nicht wissen und nicht glauben. Dazu denken Sie nun noch den Tausch meiner Verhältniße, der in meinem 60sten Lebensiahr auf mich wartete. O, wie war das Jahr 1809 so schön!

Ich grüße und umarme Sie und alles, was Ihrem Herzen nahe und theuer ist. Leben Sie wohl, Theuerste! Ich bin mein Leben lang und unverändert

Ihr redlichster Freund       Hebel         

CRuhe d. 9tn Juni 1821.

Kölle ist noch in Rom, Bougine in Wien. Es ist noch alles, wie es war, wenigstens das, was man gerne anderst hätte.