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AN HENRIETTE HENDEL-SCHÜTZ UND FRIEDRICH KARL SCHÜTZ

   

Theuerste, verehrte Freunde!

Bald habe ich das Herz nicht mehr an Sie zu schreiben und hätte es wirkl. nicht mehr recht, wenn mich nicht eine andere Zuversicht belebte, die Zuversicht, daß Sie mich kennen und an meiner innigen Liebe und Ergebenheit nie zweifeln können, wenn ich sie Ihnen auch seltener ausspreche. Die Hauptursache meines langen Stillschweigens war wenigstens von Anfang herein mein langes Warten auf den Erfolg eines Versprechens von Weinbrenner, mit welchem ich Sie bald zu erfreuen hoffte und noch hoffe, aber auch wirklich seiner neueren Zusicherung nach hoffe. Aber wie oft bin ich gleichwol bei Ihnen, oder vielmehr Sie hier bei mir, weil ich hier zu land Weg und Steg besser kenne und überall liebe Erinnerungspunkte an schöne freudige Stunden finde, die Ihre Anwesenheit und Ihre Liebe mir gab. Doch darf ich mich rühmen, daß ich mir in meiner Phantasie auch ein recht schönes Halle und darinn eine allerliebste Wohnung, nemlich die Ihrige oder vielmehr die unsrige gebaut habe. Denn mein Stüblein, welches Sie mir so lieb und freundlich zum Ruhesitz meines Alters angeboten haben, ist nicht vergessen. Seit einigen Wochen hab ich es mir iedoch, Ihre Einwilligung vorausgesezt, standesmäßig um etwas vergrößert.

Sie wissen ohne Zweifel, daß mich der G.Herzog zum Mitglied der ersten Kammer ernannt hat. O, was haben Sie dazu gedacht.

Denken Sie Ihren armen anspruchlosen Freund in einem vergoldeten Lehnsessel unter den Fürsten, Ministern, Generalen, bei den Berathungen über die wichtigsten Interessen des Staates und Vaterlands. Ich sehe meine theure Freundinn ein wenig dazu lachen, aber Sie mich schwerlich. Denn wer schaut tiefer und richtiger in mein Innwendiges?

Die lustige Katzenepistel nebst dem hochfürstlichen Dekret habe ich richtig erhalten und danke dafür. Dürfte ich Sie iezt nur auch recht herzhaft um baldige reichliche Nachricht von Ihnen bitten. Doch Sie sind immer gütiger gegen mich, als ich verlangen und erwarten kann. Möge ich recht viel erfreuliches von Ihren mir hochverehrten Eltern, deren Wohlwollen ich mich zu empfelen bitte, von der feinsinnigen Sappho und dem naiven Axel hören, die ich küsse und liebe. S[appho] wird mir nun schon ganz artig schreiben können:

„Ich liebe Dich."

Leben Sie wohl, theure, edle Freunde. Herzlich Ihr      Hbl.      

CR. d. 23. Mai 1819.

 

 

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Sappho, Axel: Kinder des Ehepaares Schütz.

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