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AN FRIEDRICH KARL UND HENRIETTE SCHÜTZ

   

Ich bin, theuerste liebe Freunde, Ihr vielfacher Schuldner für Ihr großes Wohlwollen,
für 3 Briefe — fast schäme ich mich, — für die herzlieben Geschenke zum Christtag.

An meiner Zögerung hat H. Haber einige Schuld. Er hatte das Geld viel früher empfangen, als ich wüste und ließ mich nichts davon wissen, was ich doch erwartete und erwarten konnte. Die überige Schuld ligt an den schlimmen Stunden, denn ich möchte Ihnen nie anders als in den guten schreiben.

Tausend herzlichen Dank für die niedlichen Geschenke. Sagen Sie Ihren lieben Kindern, daß sie mich selber wieder zu einem gemacht haben, was zwar leicht sey, und daß sie den Pathen und Hausfreund ferner lieben sollen.

Verzeihen Sie mir, daß ich auf ienes unartige Zeitungsinserat nicht geantwortet habe. Ich unterließ es nach meiner innigsten Überzeugung, daß es das rathsamere sey, und nach dem gleichmäßigen Gutachten unserer Freunde, ia ich darf hoffen, mit Ihrem eigenen Gutheißen, nachdem der erste unangenehme Eindruck vorüber ist. Meine Gründe bedarf ich Ihnen nicht zu entwickeln, da wir diese Sache mehrmal besprochen haben, und wie ich mich erinnere, darüber einig sind.

Die Räthsel stehn Ihnen, mein wohlwollender Freund, zu jeder Disposition. Nur muß ich zur Warnung bemerken, daß H. Cotta eine Auswahl davon, ich weiß nicht mehr, welche, aber doch warscheinlich die, welche er für die besseren hielt, im M[orgen]Blatt mitgetheilt hat, etwa im Jahr 10 und 11. Einige stehen auch schon in Almanachen.

Ich sende Ihnen mit dem Schein über die 300 Thlr. auch den Brief des H. Justizrath zurück. Es befremdet mich nicht, daß ich vergeblich nach einer H[an]dschrift seines Hrn. Bruders suche. Denn ich weiß wirklich nicht, ob ich eine von ihm erhalten habe. Von dem Meßpriester in Mindelheim hatte ich wenigstens keine. Doch würde ich auch, wenn ich sie fände, sie nur als Begebung auf meine Ansprüche zurückfordern. Denn unter solchen Umständen würde ich das Geld nie annehmen. Ihre theuerste Gattinn weiß daß ich nur aus Theilnahme nach Hn. Schütz fragte und des Darlehens nur erwähnte, ohne es zurückzubegehren, und Ihr Anbieten, mir zur Rückzahlung behülflich zu seyn, nur als eine Güte von Ihnen ansah. Ich bitte Sie also Hn. Justizrath nur so viel darüber zu sagen, daß ich ihm als ehrlicher und uninteressirter Mann erscheinen möge. Doch dazu brauchts nur der zwei Worte, daß Sie mich kennen und mir gut sind.

Nun eine dringende Bitte. Der Registrator, der mir das Schreiben des Marggraven Carl mitgetheilt hat, ist in großer Angst, bis ers wieder in meinen Händen weiß, und macht mir bittere Vorwürfe, und ich kann ihm nicht einmal unrecht geben, denn so sehr ich weiß und ihn versichere, daß kein Misbrauch damit geschieht, so ist doch damit seine Existenz einer fremden Discretion und einem möglichen schlimmen Zufall, dem man nie trauen darf, überlassen. Ich bitte Sie also recht innständig, mir sobald als möglich das Original wieder zuzustellen.

Empfelen Sie mich Ihren verehrtesten Eltern. Mögen Sie, theuerste Freundinn, wieder ganz gesund seyn. Sie verdienen so sehr alles, was zu einem frohen Daseyn gehört, die Sie schon so vielen Menschen das Daseyn erheitert und verschönt haben und so gut sind.

Leben Sie glücklich, edle Freunde! Mit unveränderlicher Liebe und Hochschätzung

Ihr ergebenster      Hebel          

C.R. 6. Jenner 1818.

Bald hoffe ich Ihnen die neue Ausgabe der A.[lemannischen] G.[edichte] senden zu können.

 

 

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