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AN FRIEDRICH KARL UND HENRIETTE SCHÜTZ

   

Ohne Zweifel sind Sie, theuerste, liebe Freunde, nun längst wieder in Ihrem Heimwesen, bei Ihren verehrtesten Eltern bei Ihren theuren Kindern, und haben
sie fast nicht mehr gekannt, so groß sind sie geworden und so schön. Mögen die heimatlichen Götter Sie freundlich aufgenommen haben und Ihnen alles Schöne und Erfreuliche bereitet haben, was Menschen von Göttern verlangen können. Vielleicht haben Sie auch schon ein und das andere mal wieder an Ihren Freund in C.Ruhe gedacht, und wenn Hr. Professor etwa die Gattinn einmal fragen sollte: Was mag er iezt thun, so antwortet ihm die Gattinn: „Jezt wallfartet er an die heiligen örter. Er thut immer so. Es ist ihm iezt wieder alles classisch." — Die Sache hat Grund. Ihren Brief von Aschaffenburg habe ich wohl erhalten. Ich habe alle Ihre Aufträge besorgt. Weinbrenners Aufsatz für das M[orgen] B[latt] hatte ich ein wenig in Ordnung gebracht. Er änderte aber nachher wieder daran ohne mein Wissen. Ich wollte darüber etwas ungebehrdig seyn. Er versicherte mich aber, das betreffe die Kunst, das verstehe ich nicht. —

Ich muß es glauben. Von D. Körner [Kerner] weiß ich noch nichts näheres. Doch muß ich gestehen, daß sich Ihr Brief an ihn etwas bei mir verspätet hat, weil ich ihm mehreres zu schicken hatte, was nicht sogleich flott werden konnte. Ohne Zweifel wird er unmittelbar an Sie schreiben. Möchte doch der schöne Wunsch erfüllt werden, der zwiefach der meinige ist, weil er auch der Ihrige so sehr ist. Von Hn. Schmucker in Berlin ist noch nichts angekommen. Es hat aber gar nichts auf sich, als daß ich später an Sie schreibe, weil ich es abwarten wollte, und folglich auch später — vielleicht eine freundliche Antwort und Nachricht von Ihrer guten Ankunft erhalte, was ich freilich anschlage.

Ohne Zweifel haben Sie sich auch über das Glück der grävlich Hochbergischen Familie gefreut. Mir und meinem Vaterlande hätte nichts erwünschteres wiederfahren können.

Ladomus hat seine Braut oder Gattinn noch nicht aus der Schweitz gebracht. Inn Gmelins, Kinzingers etc. Hause sind Sie noch immer bei uns. Es sind keine Briefe für Sie mir seit Ihrer Abreise zugekommen. Vielleicht hat ein iunger Künstler, der aus Italien heimgekommen ist und mir sagt, er habe etwas für mich, vielleicht, sage ich, hat er einige Manuscripte von dem Graven.

Am Freytag sind wir in Eisleben. Ich denke noch wohl daran und an was ich denken soll. Luthers Geist freue sich der schönen Feier, die Sie ihm bereiten.

Empfehlen Sie mich Ihren verehrtesten Eltern. Tausend Grüße und Küße und süße Worte der lieben Sappho und dem guten Axel. Leben Sie wohl, theuerste Freunde, und bleiben Sie gut, nicht nur ein wenig, wie man sonst bescheiden zu wünschen pflegt,

Ihrem aufrichtigst ergebensten Freund       Hebel          

D. 28 st. Okt. 1817.

 

 

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