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AN FRIEDRICH KARL SCHÜTZ

   

Endlich, endlich wird ein Brieflein flott. Was denken Sie schätzbarster Herr, was Ihre treffliche gute Gattinn von mir? Einen Theil der Schuld des langen Zögerns habe ich auf mir, und will ihn nicht von mir abwälzen, wenn er mir auch eine unfreundliche Minute von Ihnen — aber doch lieber nur eine halbe — zuziehen sollte. Ich trage das Ultimatum des H. v. E[nde] schon 14 Tage in mir herum. Aber es war leider nicht beflügelnd zu schneller Mittheilung. Ich sage schon, und Sie denken vielleicht erst — Allerdings. Wenig bekannt mit H. v. E. wünschte ich durch andere Personen auf ihn zu wirken, von deren Theilnehmung ich mehr Wirkung erwartete, unter ihnen ist Ewald. Herr von Ende ist selten hier, und wenn er hier ist, so ist er nie zu Hause, und wo man ihn auch antrift ist er schwer zu erfassen. Ich schrieb endlich an ihn nach Baden, und erfuhr, was ich besorgte. Denn es scheint mir, daß er für Personen ein offeneres Ohr hat, deren Interesse freilich nicht das unserige seyn kann. Ich weiß nicht, ob Sie bei den gegenwärtigen Verhältnissen und Stimmungen dieses Ortes viel Ursache haben können, über diesen fehlgeschlagenen Versuch mißvergnügt zu seyn. Wenigstens haben Sie es weit weniger Ursache, als wir, die wir so viel dabey verliehren, und alle Freunde, die ich mehr oder weniger von der schönen Hoffnung merken ließ, würdigen und fühlen diesen Verlust mit mir. — Ich fange nun an wieder, wie vorher, von der blauen Zeit zu hoffen, was doch noch immer möglich bleibt, und unter ändern Umständen eben so leicht und glücklich realisirt werden kann, als unter diesen das Gegentheil geschah. Denn so geschwind lasse ich mir von Hn. v. Ende die Hoffnung nicht rauben Ihre liebe persönliche Bekanntschaft zu gewinnen, und wieder in der Nahe der Freundinn zu leben, und in ihrem geistvollen Umgang wieder ein aufgefrischter anderer Mensch zu werden. Auch ist das Schicksal sonst nicht meinen Wünschen so gänzlich abhold, ob ich gleich diesen nicht unter die bescheidensten rechne. Grüßen Sie von mir die Theure! Empfehlen Sie mich Ihren verehrten Eltern! Lange freuen Sie sich der neuen bessern Zeit, die endlich aus der vergangen[en], wohl verdient durch Opfer und Gebete, wieder aufdämmert.

Ich bitte Sie um Ihr fortdauernd freundschaftliches Wohlwollen, und bin mit aufrichtiger Hochachtung

Ihr ergebenster      Hebel    

Carlsruhe d. 23. Aug. 1815

 

 

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