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AN HENRIETTE HENDEL-SCHÜTZ

   

Liebe theure Freundinn!                                                   24. September 1814

Tausend herzlichen Dank für Ihr freundliches Schreiben, für Ihre Liebe zu Carlsruhe, woran ich als ein Theil vom Ganzen, und zwar als ein eigennütziger und passionirter, auch eitler, mir recht viel zueigne, und für die schöne Hoffnung, die Sie mir machen, Sie bald mit Ihrem lieben schätzbaren Gatten bei uns zu sehen und zu haben. Wenns doch numme Gotts Will isch!!!

Hierüber nun in der Eile ein vorläufiges Wort. H. Eslär und seine Gattinn sind in Wien. Man zweifelt auch hier nicht, daß er (nicht nach Holland gehen, davon weiß man nichts, sondern) in Wien Beifall finden und dort bleiben werde. Letztere Vermuthung gründet sich iedoch, soviel ich weiß, lediglich auf seine Unzufriedenheit mit den hiesigen Verhältnissen. Also machen wir einen Versuch wenigstens auf den möglichen Fall. Allein der Intendant, H. v. Ende, ist auch in Wien und bleibt dort, solang der
G. Herzog dort bleiben wird, der noch hier ist. Was iezt tun? Warten bis er wieder kommt? Er war im Stand und engagirte unterdessen andere. Ihr Schreiben an ihn nach Wien an Bougine schicken und ihm Ihre und meine Wünsche empfehlen? Was sagen Sie dazu? Ich zweifle nicht, daß dis der beste Ausweg wäre. Ich zweifle nicht einmal, daß Sie ihn im Voraus billigen. H. v. Ende scheint Einflüssen offen zu stehen und sich von Rücksichten leiten zu lassen und Boug[ine] könnte dort ohne Zweifel auf einzelne oder mehrere von der Suite des G. H. wirken und sie für unsere Wünsche stimmen. Allein ich halte es immer für ungeziemend, anvertraute Commissionen ohne Vorwissen und Gutheißen des Comittenten in eine andere Hand zu legen, und bitte Sie also, mich wissen zu lassen, was ich thun und wie ich mich verhalten soll.

Ich habe dazu einen Grund mehr. Sie wünschen Vorsicht und Verschwiegenheit. Allein ich halte es nicht für vorsichtig, ohne Ihren Willen das Geheimniß auf d. Congreß zu schicken. H. v. Ende ist vielleicht nicht mundfest, und wer verdächte es ihm, wenn er sich etwas auf Ihre Anerbietung zugut thäte, auch wenn Eslär bliebe und er sie nicht benutzen könnte. Möge Ihnen nie etwas unangenehmes widerfahren, nie etwas, wovon die Schuld entfernt auf mir zu ligen schiene. Ich bitte Sie also um baldige Nachricht. Vielleicht legen Sie mir ein paar Zeilen an Boug.[ine] bei, oder schreiben selbst an ihn. Ich wünsche nur, was Ihren Wünschen förderlich seyn kann und bin zu allem bereit, wozu Sie mich glauben benutzen zu können, und zwar aus lauter herzlicher Liebe und Eigennutz.

Ihr H. Gemal, herzl[ich] von mir gegrüßt, verzeiht, daß ich so gerne an Sie und an Sie allein schreibe. Ich habe gar viel zu thun. Ich habe ein neues Amt und muß seit d. Mai um Abnahme des alten suppliciren. In 8 Tagen wird es endlich geschehen. Ließen Sie sichs träumen, daß der Rheinländische Hausfr. Ministerialrath würde? Er ists und streicht sich den Bauch. Der Adiunkt ist mit etwas Ungnade des Königs 2ter Sekretär beim Tribunalgericht in Tübingen.

Mit unbegrenzter Liebe und Ergebenheit Ihr       H.         

Ich schicke Ihnen den Calender, sobald er fertig ist. Es kommt eine heidnische Prinzessin drinn vor.

 

 

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