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AN FRIEDRICH KARL SCHÜTZ

   

Sie haben mir, lieber und verehrter Herr Professor mit der Nachricht, daß Sie mit Ihrer theuren Gattinn wieder bei uns sind, eine sehr große Freude verursacht, und ich danke Ihnen sehr für die so freundliche Mittheilung derselben. Denn ich darf ia wohl sagen bei uns, obgleich noch so weit, wenn man Menschen, die man also ehrt und liebt, nun wieder einmal dißseits der Belte und in der Heimath weiß. Möge Ihnen nun, auch in der bösen Zeit, die wir alle theilen, recht viel Schadloshaltung für Ihre lange beschwerliche Reise zu Theil werden, die ich unsichtbar mit Ihnen gemacht habe, nicht allein in Ihrem wohlwollenden und freundlichen Andenken, sondern auch in meiner Theilnehmung und Besorgniß für Sie. Doch die Götter schützen ihre Geweihten. Erfüllen Sie recht bald die schöne Hoffnung, die Ihr Brief in mir aufleben läßt, Sie bei uns zu sehen, und vielleicht, wenn anders der Genius Ihrer schönen Kunst uns nicht unversöhnlich zürnt, Sie ganz als die unsrigen zu haben. Es ist hohe Zeit, daß iemand komme und einen illiberalen Geist, der gegenwärtig bei dem hiesigen Theater zu herrschen scheint, banne, und wem kann dieses gelingen, als Herrn Schütz und seiner Gattinn. In diesem Augenblick ist nichts voraus zu sagen, ohne Gefahr zu irren. Ich weiß nicht, ob, wie man glaubt, ein Mann an dem Theater selbst etwas enge und spröde Grundsätze geltend macht, wenigstens scheint Herr von Ende sich bisweilen ganz von fremdem Willen leiten zu lassen, und der G.[roß] H.[erzog] sich wenig um diese Angelegenheiten zu bekümmern. Aber Ihre Gegenwart und die Wiedererscheinung der Künstlcrinn, die wir alle so sehr verehren, wird alles erleichtern. O, wie freue ich midi ienes Tages, theuerste Freundinn, und der Wiederkehr verflossener seliger Tage. Aber Sie — spannen Sie Ihre Erwartungen herzhaft um etwas herab. Sie werden Ihr Carlsruhe in Carlsruhe nimmer finden. Wenigstens ist der größte Theil unserer alten Freunde verflogen. Aber wo kann es Ihnen an neuen fehlen. Selbst der rheinländische Hausfr. ist ein gar mürrischer Mensch und mit einem Bein voll Gicht mehr ein hinkender Bote geworden, sitzt den ganzen Tag zu Hause bei den Akten oder in der Kneippe und ist von allen Musen verlassen. Ich wollte sagen, daß Sie einen unglücklichen Menschen antreffen werden, wenn ichs in Ihrer Gegenwart noch seyn könnte. Ich hoffe, Sie haben meinen letzten Brief in Riga noch angetroffen. Aber ich erinnere mich nicht, ob ich Ihnen damals schon für das herzige Geschenk durch Mad. Barklei danken konnte. O, wie sind Sie so gut! Der Adiunkt ist noch in Dresden und fragte mich in iedem Brief nach Ihnen.

Ich bitte Sie, theuerster Herr Professor, mich der fortdauernden Gewogenheit Ihrer verehrtesten Eltern zu empfehlen und, nebst Ihrer edlen Gattinn, selbst mir immer gut zu bleiben. Ich bin mit der vollkommensten Hochachtung ganz

Ihr    *)             

CR. d. 12. Aug. 1813.

 

 

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*) Unterschrift im Original ausgeschnitten.

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