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AN FRIEDRICH KARL SCHÜTZ

   

12. Januar 1811      

Ich lasse lange auf Antwort warten, theuerster Herr Gevatter, und zwar zu einem Brief so freundlichen und ehrenwerthen Innhalts, wie der Ihrige war. Bald hielten mich Geschäfte ab, mit denen man sich zwar immer entschuldigt, auch wenn man keine hatte, bald die heillosen Zerstreuungen, in die der Strom des Lebens dahin reißt, bald üble Laune, ich darfs wohl gestehn. Denn ich kann auch bei schlimmen Launen an viele Leute schreiben, aber nicht an alle. Frau Gevatter weiß, wie ich manchmal in den Festwochen ihres Hierseyns war. Nun denken Sie mich erst so. Zulezt hielt mich noch der Adiunkt mit der Innlage auf. Denn genießt er die Ehre mit, so helfe er mir auch die Schuld tragen. Unterdessen wiege ich doch oft ganz für mich allein das Kindlein, das mir Vater und Mutter auf Freundesarme gelegt haben, und singe ihm und erkenne in seinem holden Lächeln schon das Töchterlein seiner Mutter. Sie setzen ihm doch aufs Frühiahr in dem Garten, in einem Blumenbeet sein Bäumlein, mit dem es freilich gedeihen und schön und lange blühen möge, und lassen mich seinen Namen erfahren. Einsweilen nenn' ichs Henriettchen . . .

Ich sage Ihnen schönen Dank für die gute Aufnahme des Calenders. Aber die Recension versparen Sie, wenns noch Zeit ist, bis auf das Schatzkästlein, das die nemlichen Artikel wieder aufnimmt, und gönnen Sie diesem Ihre günstige Empfehlung, so weit es sie verdienen und Ihr kritisches Gewissen es erlauben wird. Der Adiunkt hat die Vermuthung, daß auch die Stücke, die aus dem Hausfr[eund] in den Freimüthigen übergegangen sind, von Ihnen könnten mitgetheilt seyn. Wäre es so, so erkenne ich auch dieser Praesentation beim Publikum Ihren Dank, bitte Sie aber aus obigem Grund ebenfalls damit inne zu halten. Cotta verspricht nun das Schatzk. auf den May gewiß. So lange hält er mich auf, wieder etwas an meiner Schuld zu entrichten, noch länger, nein nur feindseliger die böse trockene Laune an dem all. Gedichte für Ihre Gattinn. Zwar hat sie schon eins in der Iris 1811, wenigstens einen „suferen Helgen" darinn. Aber dis ist nur etwas Zins. Wie ich etwa bis dahin mit den Vögelein wieder singen kann, kommt das rechte, und für Henriettchen ein eigenes. Machen Sie doch einsweilen Ihre gute Gattinn geneigt, bis dahin, oder etwas später, auch ein Conterfey vom Hausfreund gerne anzunehmen. Müller jun. in Studtgardt eilt zwar auch nicht damit, sagt aber, er müsse zuerst den König von Westphalen und die Princessin Stefanie allgegenwärtig machen. Dagegen kann ich nichts haben.

Grüßen und küssen Sie von mir froh Mütterlein und Kind und empfangen Sie von mir meine besten Wünsche und die Versicherung meiner reinen Hochachtung und Freundschaft. 3

J. P. Hebel       

 

 

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