zurück zur Briefübersicht

 

   

AN HENRIETTE HENDEL-SCHÜTZ

   

Einsweilen liebe edle Freundinn übersende ich Ihnen die Rosetten, Riedlingers Tochter, die Predigten.

Walther tröstete mich, daß Sie die Rosetten schon gesehen hätten und kennten. Ohne Ihre Wahl hätten sie mir nicht gefallen. Diese Kostbarkeiten kehren alle in die rechten Hände zurück, denn wie ich höre ists lauter sekularisirter Madonnenschmuck aus Klöstern.— Riedlingers Töchter wird Ihnen geschrieben schwer zu lesen seyn. Der Adjunkt hats hauchdeutsch übersetzt für das Journal des Luxus und d. Moden, das Ihnen gewiß in die Hände kommt, sehr treu, etwas nachlässig. — Zu den Predigten bitte ich Sie um eine kleine Vorrede bey Ihrem Freund. Besonders die ältere ist etwas wortreich, periodenlang, flitterig, ia flatterig. Meine Eitelkeit hats mit Fleiß so gefaßt, daß wer mich nicht kennt glauben muß, ich sey noch ganz iung.

Mit dem Portrait ist Holland in neuer Noth. So wie ich es iezt von dem immer noch kranken Becker empfange, kann ich es Ihnen soweit in die blaue, iezt weiße Welt hinaus unmöglich schicken. Das Gesicht ist gestellt nach ihrer Angabe für den Troubadur. Ueber das Costüme wollte er Sie noch berathen. Drum wollte ich Sie ia immer zu ihm locken, aber das Wetter war so böse. Iezt hat er mir zu dieser Stellung mein blaues Röcklein angezogen. — Pastell mit Glas und Rahmen und einem Futeral darüber. Ich lasse mich, wenn ich nach Strasburg komme, anderst, kleiner, packlicher mahlen oder warte, bis ich Ihnen das Vorliegende selber zeigen und in die Hände geben kann. Machen Sie alsdann damit, was Sie wollen. Es kann Ihnen an meinem Bild nicht viel gelegen seyn. Aber ich kann den Schein nicht ertragen, daß ich Ihre schmeichelhafte Aufforderung nur zu einer Spekulation benuzt hätte, das Ihrige zu bekommen. Vielleicht dient's Ihnen zur Warnung. Wenn ieder, dem Sie mit Ihrem Bild aus Ihren Händen eine unaussprechliche Freude machen könnten, Ihnen zum Undank das seinige schicken wollte, so müßten Sie eine eigene Stadt miethen, um alle aufzuhängen.

Herr v. Haupt schreibt mir, was ich für halbofficiell halte, daß aus der Reise n[ach] Italien etwas wolle werden. Ich binde daran viel fliegende Träume. Alle Heerstraßen sind verschüttet, nur über Karlsruhe nicht, Sie kommen, wie verabredet, am Abend vor den Ferien hier an. Ich darf Sie begleiten bis Basel, wie ein großer Herr einen hohen Gast, bis an die Gräntzen meines Calender und Dichterreichs. Ich führe Sie nach Freyburg in die Stadt, nach Müllheim an die Post und wie der Teufel den Heiland auf einen (nicht) hohen Berg, zeige Ihnen alle Kirchthürme des Wiesenthals und seine Herrlichkeit, und falle nieder, ich vor Ihnen, und bete Sie an.

Sie erlauben mir die Schwiegermutter aus dem Calender in das Schatzkästlein überzutragen. Neben sie kommt der Hofr[at] Gmelin, wie er auf seiner spanischen Reise aus Madrit heraus reitet. Grüße über Grüße von Vogels, Seuberts, Bougine, dem Adiunkten und noch vielen im Namen Ihrer übrigen Freunde und Verehrer, die nicht wissen, daß ich an Sie schreibe.

Noch lege ich die „glückliche Frau" bey. Dis Gedicht kennt noch niemand. Schwerlich wirds zum Deklamiren brauchbar seyn.

Was Sie sonst für diesen Zweck erwarten, muß ich ia erst noch machen, liebe Seele. Wenn Sie mir alsdann das Nachspiel v. Rübezahl gütig erlassen, so hab ich sonst nichts Versprochenes mehr, aber sonst anders viel gegen Sie auf der Schuld und das Postpapir. Wenn ichs Ihnen nur Bogenweis und überschrieben schicken dürfte.

Besondern Dank für die gute Reise- und Bocksannekdote.

So eben lauft noch das Abendgebet ein. Und ich schließe („Endlich, Gottlob!") mit
1000 guten Wünschen und Entschuldigungen und Empfehlungen.

Hausfreund           

CR d. 20sten Jenner 1810.

 

 

  zurück zur Briefübersicht

 

nach oben