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AN HENRIETTE HENDEL-SCHÜTZ

   

Ich übersende Ihnen, meine verehrteste Freundinn, von Herrn Walter die bestellten schönen Siebensachen und lege tausend Grüße und Küsse und gute Wünsche dazu. Die Armbänder waren nicht bey dem uns zugesendeten. Dagegen wollte ich Herrn W. nicht abhalten, noch einiges als Probe beyzulegen, denn er glaubt, es würde Ihnen gar zu schön stehen, als ob nicht alles schön würde, was Sie anlegen. Gefallen Ihnen iedoch diese Kleinigkeiten nicht, so schicken Sie sie nur unfrankirt an mich zurück. Walther hat den Unbeschnittenen in Rastadt noch sonst in der Gewalt, um es ihm ohne gutes Wort und ohne Dank wieder abzuzwacken.

Gmelin wollte Ihnen noch danken für Ihre Güte und die schönen Novemberblumen aus Frankfurt — das Zarte klettert so eben am Tisch herauf und hüpft über ein par Bücher, Papirscheeren und Tabackspfeifen daher, als ob es wüste, an wen ich schreibe —

— — und empfielt sich, nemlich Dr. Gmelin. Aber Apropos, indem ich iezt von Gmelin an den Adiunkt hinüberdenke — Spinnit, Töchterli, spinnit — — Ich muß Sie noch einmal um kurze Frist bitten. Der Unbeschnittene hat meinen Abschreiber übereilt, auch schreibe ich lieber zweimal an Sie als nur einmal. Ich will Ihnen nichts schuldig bleiben.

Wie wohl, es drückt mich noch ein Beichtlein gegen Sie, und ich möchte iezt gerne Ihre Delikatesse und Klugheit besitzen, um zu wissen, was ich thun soll. Sie hatten mich vor 2 Monaten gütig um etwas angesprochen, was Sie das leztemal nimmer zu verlangen schienen. Ich glaubte Sie zu verstehen, wenn ich auch davon schwiege, und rühre es iezt blos an, um bey Ihnen gerechtfertigt zu erscheinen. Nichts für ungut meiner Plumpheit! Sie kennen mich ia. Sie bedürfen nicht viel Zeit dazu, die Leute kennen zu lernen.

Wenn ich iezt pfiffig seyn wollte, so könnte ich meinen langen Brief noch mit einer Entschuldigung darüber verlängern. — Gönnen Sie mir fortdauernd Ihr Wohlwollen und nehmen Sie gerne die Versicherung meiner herzlichen Ergebenheit und Verehrung von mir an.

 J. P. Hebel      

CR. d. 5ten Jenner [18]10.

 

 

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das Zarte: das zahme Eichhörnchen, das Henriette Hendel
bei Hebel zurückgelassen hatte.
Adiunkt: Kölle.
Spinnit, Töchterli: Anfang des Gedichts „Riedligers Tochter".
 
um etwas angesprochen: gemeint ist ein „alemannisches
Nachspiel", zu dem Henriette Hendel Hebel ermuntern
wollte, das jedoch nicht zustande kam.

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