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AN HENRIETTE HENDEL-SCHÜTZ

   

CR. d. 17. N[ovember 180]9,        

Ich danke Ihnen meine gütige Freundinn mit mehr als Einem Schmützli für das schöne liebe Geschenk und für das große Wohlwollen, das Sie mir damit bezeichnen.

Ein Schreiben von Schmid in M[agdeburg], das ich gestern schon abgehen ließ, haben Sie ohne Zweifel erhalten.

Hier folgen auch die Räthsel und Charaden. Ich könnte Ihnen wohl noch einige beylegen, aber schlechtere.

Der Steinschleifer sagt, er habe noch Hoffnung den Schmuck zu bekommen, und werde in diesen Tagen sich selber an den Ort begeben.

Das Zarte schwelgt in den Gaben der Pomona und in dem Schöße des Hypnos. Alle Tage wird es bey offenen Fenstern spatziren geführt. Aber es ist gar zu einfältig. Heute wird ihm zum erstenmal sein Teppich (es hat s wie der türkische Gesandte in
B[erlin]) mit wohlthätigem Schnee bestreut. Bey dem allem siehts etwas übel aus, vermuthlich aus Sehnsucht nach seiner Mutter und Luischen, die ich bestens grüße. Ich kanns ihm trotz der guten Pflege, die es genießt, nicht verdenken.

Sie kommen doch wieder, und bald? Täglich werde ich gefragt, und eh' ich gestehe, daß ichs selber nicht weiß, lüge ich und mache kürzere und längere Termine, ie nach dem ich dem Fragenden gut oder nicht gut bin, und ihnen gerne etwas angenehmes oder unangenehmes sage. Lassen Sie mich ia bey den Guten nicht stecken. Mit herzlicher Verehrung

Ihr ergebenster       H.