zurück zur Briefübersicht

 

   

AN FRIEDRICH DAVID GRÄTER

   

Ich gratulire Ihnen, mein Verehrtester Herr Professor und Freund zu Ihrer glücklichen Heimkunft und zu dem guten Beginnen ihres verdienst und ruhmvollen Unternehmens. Daß Sie nicht mehr über Carlsruhe zurückkamen, dafür will ich mich mit der Hofnung trösten, daß [durch] Ihre mit Herrn Levrault eingegangene Verbindung Sie wohl wieder einmal, vielleicht, wenn es der Himmel zu Ihrem Vergnügen so leiten kann, öfters diesen Weg machen werden. Mögen Sie alsdann nur gerne eben so lang und länger gesund bey uns verweilen, als Sie das letzte mal zu meinem großen Bedauren gegen Ihren Reiseplan sich krank hier aufhalten mußten.

Ihr Schreiben und die sehr interessanten Beylagen desselben, wofür ich Ihnen herzlich danke, gewähren mir das größte Vergnügen. Sie haben mich in die kleine schmucke Donaueschingerinn ganz verliebt gemacht, die sich ganz anderst ausnimmt so, als wie sie Ausonius besingt. Denn einer Römerin steht ein römisches Gewand schön, aber einem Mädchen von der Donau ein deutsches, wenn anders iene so gut besungen wird, wie die Bissula, und dieses so fein und zart, wie die Pezela oder das Bärlein. Denn, um Ihnen eine kleine Probe von meiner Conjecturgabe zum Spaß und Besten zu geben, so will ich glauben, die erste Sylbe in einem von Goldast beigebrachten Namen sey das noch bekannte Pez, ela hingegen eine ebenfalls noch nicht verschollene Diminutivendung, wie Fritzela, Fritzeli, Fritzelin, Fritzlein. Daß in ienen rauhen Heldentagen Pezlein oder Bärlein für ein hübsches Schwarzwäldermädchen noch ein recht artiger Namen könne gewesen seyn, wird wenigstens Niemand bezweifeln, da selbst noch in unsern Tagen, die doch gar nicht zu unsern Heldentagen gehören, noch manche schöne Ursula geküßt, und wer weiß, ob nicht auch besungen wird.

Doch ich vergesse fast, daß ich an einen Mann schreibe, der anders zu thun hat, als sich mit Briefen von solcherley Inhalt heimsuchen zu lassen. Leben Sie wohl, mein theuerster Herr Professor, und glauben Sie mir, daß ich Ihre persönliche Bekanntschaft und Ihr Wohlwollen zu den schönsten Preisen rechne, mit denen midi die allemannische Muse erfreuen konnte. Ich bin von Herzen

Ihr ergebenster D[iene]r u. Freund      Hebel             


Carlsr[uhe] d. 3. Aug. 1807

 

 

  zurück zur Briefübersicht

 

nach oben