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AN KAROLINE GÜNTTERT

   

Liebe, theuerste Freundinn!

Ich traure und weine mit Ihnen um den schmerzhaften Verlust unsres theuren Entschlafenen. Sie weinen um ein theures geliebtes Leben, in welches das Ihrige so innig verwebt und verschmolzen war. Gott tröste Ihren Schmerz und unterstütze Sie mit Kraft und Muth, ihn zu ertragen. Schon als ich Ihren Brief in die Hand empfieng, der nicht mehr wie sonst alle von der geliebten Freundeshand überschrieben war, ahndete ich seinen traurigen Inhalt, und leider hat mich meine bange Erwartung nicht getäuscht. Im Jahr 1777 sah ich den guten Unvergeßlichen zum erstenmal. Im Jahr 1783 kamen wir wieder zusammen in Lörrach. Ich gedenke mit Liebe und Rührung des Wohlwollens und der Güte mit welcher er mich aufnahm und wie ein alter, vieliähriger Freund sich meiner annahm, und Sie wissen beide, wie manche liebe, frohe, freundliche Stunde wir unterdessen auch unter Ihrer freundlichen Theilnehmung miteinander verlebten. Vor 9 Jahren sahen wir uns zum lezten mal, doch nur für diese Erde. Wir kommen in einer schöneren Heimath wieder zusammen dis sei der einzige Trost, den ich auch Ihnen, meine Geliebtesten, freundlich ans Herz legen will, und finden dort noch eine theure Vollendete, deren Verlust sich ietzt in Ihrem verwundeten Herzen schmerzhaft erneuert.

Ich erhielt Ihren Brief den 24sten. Die Todesanzeige konnte nicht mehr in die Zeitung kommen. Vorläufig ließ ich es Hn. Minister von Berkheim und der Frau Staatsräthin Reinhard sagen. Schreiben Sie mir recht bald wieder, so bald es die Umstände erlauben, wie es Ihnen ergeht, und theilen Sie mir alle Ihre Wünsche mit, von denen Sie glauben, daß ich etwas zu ihrer Erfüllung beitragen könne. Gott sey mit Ihnen und tröste Sie. In herzlicher, theilnehmender Liebe

Ihr treuer Freund      Hbl.      

D. 25ten Dez. 1821.

 

 

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Pfarrer Tobias Günttert war am 21. Dezember 1821
in Weil gestorben.

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