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AN KAROLINE GÜNTTERT

   

[Januar 1808]        

Frau Vögtinn in dem Unterröcklein
was treibt Sie und was macht Sie guts,
spinnt sie vielleicht vergnügten Muths
Manschetten Zwirn an einem Zöcklein?
Ich seh' Sie zwar dafür nicht an,
daß Sie aus Kuder
so fein er ist
Garn zu Battist
aus Kien-Ruß Puder
Erhexen kann.
Das hat der leidige Reim gethan.
Auf Unterröcklein
reimt Flachs sich schlecht
allein ein Zöcklein
thuts eben recht.
Dasselbe Zöcklein im schwarzen Röcklein
zwar selbst Battist,
für manchen Christ,
das fromme Möcklein
das in Eimeldingen verstorben ist.
Daselbe Zöcklein
das Hexen besser als wir verstand
denn seine Hand
hat aus einem Bröcklein
vom winzigsten Text
drei tausend Ehlen Faden gehext.
Das war mir ein Zöcklein!
Sanft schlafe der Müde
und Gottes Friede
wall' auf ihn herab.
Ein Rosenstöcklein
schmücke sein Grab
der mir einmal sechs Schnupftücher gab
die ich schon alle verlohren hab.
Einst hab ich, wenn Ihrs zu gedenken beliebt,
einen schlauen Schnupftuchhandel verübt.
So sehr ichs dem Spitzbub verargte,
daß er mich so entsezlich geprellt,
that er doch was ihm die Klugheit gebot.
Schickt man Narren zu Markte
lösen die Krämer viel Geld.
Blau war das eine, das andere roth.
Doch was mir in schlechtem Handel zerronnen,
hab ich wieder an guten Leuten gewonnen,
wies Gelegenheit gab.
Manch Schnupftuch z. B. hab ich Euch gemaust
und hättet Ihr nicht so weise gehaust
Ihr puztet die Nasen am Ermel ab
oder gar am niedlichen Röcklein.
Frau Vögtinn ich plaudre so gerne mit euch
in Scherzen, im Ernste. Sel gilt mir gleich.
Schon läutet zur Schule das Glöcklein.
Es hüpfen die Knaben wie Böcklein.
Ich lasse sie hüpfen und bin mit euch
in Gedanken,
ohne Wanken
wenn Ihr an den Bäumen schüttelt
oder die Dukätlein rüttelt
Hünernester visitiret
oder Eier in Anken rühret
 Schlichte machet, Faden zupfet
Gänse füttert, Tauben rupfet
bin ich in stillen Ged[anken] bey euch.
Gott segne Euer Haus
vom Mann bis zu der Maus.
Traube reif und süß
Saftig das Gemüß
Aepfel roth und nett
Gänslein zart und fett
Alles Euer Thun gelinge
und der volle Nußbaum bringe
viel 1000 1000 Höcklein,
Die Schafe zarte Flöklein
Fr. V. in dem Röcklein
Nun ist es aus nun muß ich gehn
und nach den lustigen Knäblein sehn.
Sie zausen einander am Löcklein.
Nun Assa denn nach altem Brauch
behüt euch Gott und schreibt mir auch.

 

 

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