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AN TOBIAS GÜNTTERT

   

[Oktober 1804]                    

Liebster Vetter Vogt!

Seid so gut und — sizt,
denn ich will Euch schreiben
und die Zeit vertreiben.
Euer lezter Brief
traf mich etwas tief;
denn ich wußte kein Wörtlein davon,
daß der ehrliche Diebelt schon
hat die Reise getreten an
in das himmlische Canaan:
wo heiterer die Sterne glitzern
und lieblicher die Vöglein zwitzern,
und eine bessere Sonne scheint,
und alles lacht, und niemand weint;
wo Milch und Honig in Strömen rinnt,
wie man's im Kanton Basel nicht findt.
In Gottes Namen! Es bleibt nichts oben,
und unser Leichentuch ist auch schon gewoben,
Gott geb' uns allen ein'n seligen Tod. —
Mit dem Walfisch sind wir freilich in Noth.
Wer wird ihn iezt melken und strehlen und schaben
in Zukunft und so viel Geduld mit ihm haben? —
Herr Vogt, es liegt eine söllige Last
auf unsern Schultern! Man möchte schier
der argen Welt ein Valetlied singen
und selber zum Walfisch ins Wasser springen;
die Sorgen sind viel um allerlei Ding,
der Undank groß, die Belohnung gering,
wenn man nicht selber den Vortheil erzielt
und im Wald bisweilen ein Bäumlein — geschenkt bekommt.

 

 

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