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AN TOBIAS GÜNTTERT

   

den 6. April [1802]       

Der Herr Geh. Rath Brauer sagt, daß Sie, mein theuerster Herr Pfarrer und Freund, Herr in Ihrer Kirche seyen und drinn copuliren lassen können, wen Sie wollen, ohne iemand zu fragen, wenn nur alles andere ordnungsmäßig und sicher sei. Denn für dieses müssen Sie stehen, sobald Sie die Kirche hergeben und einen andern an Ihrer Statt darin agiren lassen. Auch müssen Sie und nicht der Böbbi, die Copulation ins Kirchenbuch eintragen und wenn ein Copulationsschein verlangt wird, so müssen Sie mit Ihrer Unterschrift ihn ausstellen. Ich habs nicht geglaubt und den Fall noch einmal vorgetragen. Aber er sagt er habs ganz wohl verstanden und es sey so.

Ich danke Ihnen sehr verbindlich für Ihre Mühe in Basel. Aber

Dunderschiß, han is denn nit gseit,
aß der Haas keini Eier leit!

Ich wills letzt mit dem Flick probiren. Aus Ursache die ich Ihnen schon geschrieben habe, will ich den Hitzig anspannen. Ich bitte Sie also, ihm die Papire, nemlich a) das Speckschwärtlein, wo er dem Buchhändler ums Maul streichen soll, b) die Musterproben und c) Schmids Brief sobald als möglich zu schicken, wie Sie wollen, nur sicher.

Ich danke der Jgfr. G[ustave] für ihren lieben Brief. Das Rechnungsexempel versteh ich nicht recht, wie es gemeint ist mit dem halben über die Hälfte. Dem ersten von der Frau und dem Almosen hab ich ein neu Röcklein angezogen. Empfehlen Sie mich Ihren lieben werthen Frauenzimmern samt und sonders. Assa Vetter Vogt! Gott zum Gruß! Ich wünsche Ihnen einen schönen blauen Ostermontag.

Ihr redl. Fr.    H.             


Es ist in Schmids Brief auf der dritten Seite eine Stelle, die nicht zur Sache gehört, sondern einen Gegenstand betrift, der ihn angeht. Seien Sie doch so gut und schneiden Sie diese Stelle aus dem Brief sogleich heraus, ehe Sie ihn aus den Händen geben. Und der ganze Innhalt desselben bleibe unter uns. Ich möchte nicht gern dafür angesehen sein, daß ich damit groß thue. Er soll nur dem Buchhändler einen guten Willen machen.

Apropos! Die weiße Frau! Es ist eben was weiß ich die weiße Frau. Die Sache ist Ihnen akkurat so erzählt worden wie sie hier erzählt wird. Einige machten viel daraus, andere etwas, noch andere nichts. Es wird von Zeit zu Zeit so etwas aufgetischt, man spricht eine Zeit lang davon und dann ists wieder vorbei. Ich halte nicht viel davon, hör es und erzähl's nicht nach. Auf den Grund kann man nicht kommen, es kommt auf den Glauben an. Ich hab im Schloßgarten die weiße Frau auch einmal gesehen. Nach einer langen Ueberwindung eh ich drauf los ging, wagt' ichs endlich mit langsamem Schritte und siehe! da war es ein Cherub, nemlich im Gras ein schlafender Gartenknecht. In der Stadt weiß man nicht viel, die meisten Visionen kommen von Hof oder aus dem Dörflein.

 

 

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