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AN TOBIAS GÜNTTERT

   

[1. Dez. 1792]       

Loset Vetter Vogt!

Wir haben den grauenkatzen Wirth ausgeschrieben, ich und der Bammert; und weil er nicht erschienen ist auf den gehörigen Hermelin, so haben wir einen neuen Wirth gemacht. Der Bammert hat gemeint, ich solls übernehmen. Aber es ist nit für einen Vorgesezten; saget selber Vetter Vogt! Jezt haben wir den Vetter Nikki dazu gemacht, den Sander Nikki. Er läßt euch grüßen. s'Gfecht ist richtig, Und wenn mir sonst etwas im Wirthshaus begegnet, das ich nicht allein prästiren kann, so will ich schon an Euch — appelliren.

Es hat eins auf sich, Vetter Beisi! heut zu Tag Vorgesezter zu seyn in einer so weitläufigen Vogtey, bsonders, wenn man so dumme Nachbarn hat, wie wir. Da schickt der Vogt von Wien wieder seine halbe Gmein hierdurch, daß sie im Elsis sollen helfen schneiden, 's wird schon alles daheim seyn, bis die kommen. Unser Burger hätt schon lang grebellirt, wenn wir ihn so strappleziren wollten. Aber wir sind Leut, die wissen wie man mit einem Menschen umgeht. Dafür sind wir auch geliebt und geehrt von der Gmein. Der Bammert ließ mich durchs Feuer lauffen, so lieb hat er mich. Er lasst Euch auch grüßen, der Bammert. Er ist gar ein gelehrter Burst worden. Die gemeinen Leute nennen ihn nur Affekat, so gelehrt ist er. Eure Bollecke wegen dem spitzigen Aal hab ich erhalten. Er hätt mir doch etwas Gescheidteres thun können als das. Ich hätte den besten Lust, und schickte ihn auf die Bühne tenz nach Thiengen, und sezte den Pfarrer von Krenzach in die Spitzensalats Würde ein. Ihr seyd mir doch zu lieb dazu. Denn, seht ihr wohl! selbige Kuh frisst viel, und gibt doch keine Milch. Aber euer ist immer neumelchig, ohne was die Basler Geiß noch eintragt.

Ich werd euch nächstens wieder schreiben, etwas wichtigers als dismal. Für iezt hab ich euch nur wollen bitten, daß ihr diese Bollecke da, Eurer Jungfer Gschwey einhändiget und mir Eure Leut im Hause freundlich grüßet. Verkältet Euch nit Vetter Vogt! 's ist eine gefährliche Jahreszeit. Ihr könnt an die Frau Pfarrer Beckin in Mappach schreiben, daß sie euch ein wenig Muskat-Nuß schickt. Wenn man sich alle Morgen nüchter aus dem Bett weg auf einen heissen Backenstein setzt, und dreimal den Glauben bettet, solls auch gut seyn. Ihr findet ihn im kleinen Katechismus. Assa Vetter Vogt! Ich verbleibe bis in Tod

Euer     H.               

 

 

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