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AN KARL GEORG DÜMGÈ

   

Es ist mir sehr leid, mein theuerster Freund, daß ich Ihnen über Ihre Fragen, das Digestum etc. betreffend, keine Auskunft geben kann. Schon vor einigen Monaten hatte sich ein Herr Sonntag in Heidelberg für Herrn Prof. Sauvigny über das nemliche Buch und mit den nemlichen Fragen an mich gewendet, die Sie mir vorlegen. Die hiesige Bibliothek hat es nicht in ihren Catalogen. Auch suchten wir vergeblich nach der Anzeige desselben in einigen Verzeichnissen seltener Drucke. Das älteste Digestum, das die Bibliothek hat ist, wenn ich nicht irre, vom Jahr 1538. Ich wollte damals einen Schreibfehler von Hn. Sonntag in der Jahrzahl vermuthen. Allein Ihr Brief hat wieder die nemliche Zahl, wie iener. Auch versicherte mich der Bibliothekar, daß Hr. Prof. Sauv., der kurtz vorher in Carlsruhe war, ienes spätere Digestum dort gesehen habe und wohl kenne.

Wenn Ihre Anfrage und iene früheren, wie es wohl möglich ist, von der nemlichen ersten Quelle herkommen sollte, so müßte entweder Herr Sonntag meinen Brief nicht in die Hände bekommen haben, oder er hätte es, was mir doch das unwarscheinlichere ist, unterlassen, Hrn. Prof. S. die Antwort zu ertheilen, was mir doch sehr unangenehm wäre.

Können wir Ihnen mit paßlichen Notizen von schönen Martyrologien, Bußandachten etc. aus den fürchterlich heranfluthenden Klosterbibliotheken andienen? Wenns so fortgeht, so wird unsre Biblioteck bald eine der ansehnlichsten in Deutschland seyn, nicht nur wenn man die Bände zählt, sondern sogar wenn man sie wiegt. Wenigstens wird sie bald eine der frömmsten und heiligsten Hof-bibliothecken in der Christenheit seyn.

Unser guter Hofrath Voltz grüßt Sie bestens, und Sie bleiben gut

Ihrem ergebensten Freund     Hebel             

Cr. d. 31sten Oktob. [1804].

 

 

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