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19. Die Schicksale
Johannes des Täufers.
Aber warum kommt Johannes der
Täufer so lange nicht mehr zum Vorschein? Johannes der Täufer kommt
nicht mehr zum Vorschein. Herodes der König fand ein unerlaubtes
Wohlgefallen an Herodias, der Ehefrau seines leiblichen Bruders
Philippus, und verehelichte sich mit ihr, als Philippus, ihr
rechtmäßiger Eheherr, noch lebte. Da trat zu ihm Johannes, der fromme
und unerschrockene Mann, und sprach zu ihm mit wenigen, aber schweren
Worten: »Es ist nicht recht, daß du sie hast.« Wegen dieser Rede ließ
Herodes den frommen Johannes binden und in das Gefängnis legen auf
Anstiften seiner Frau. Denn es ist ein schweres Wort: »Was du tust, ist
nicht recht,« wer es hören muß, und wen es angeht, und wer nichts darauf
antworten kann.
Als aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er zwei
von seinen Jüngern zu ihm und ließ ihn fragen: »Bist du, der da kommen
soll, oder sollen wir eines andern warten?« Die Jünger Johannis kamen zu
rechter Zeit, nachdem Jesus viele Kranke geheilt und den Jüngling von
Nain von den Toten auferweckt und viele bekümmerte Gemüter mit dem Trost
des Evangeliums erquickt hatte. Jesus antwortete ihnen auf ihre Frage
nicht Ja und nicht Nein. Ja und Nein sind leichte Wörtlein. Sie gehen
geschwind vom Munde. Jesus sprach zu ihnen vor allem Volk, das
dabeistand: »Gehet hin und saget dem Johannes wieder, was ihr sehet und
höret. Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein,
die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das
Evangelium gepredigt.« Das ist eine Antwort, gegen welche sich nichts
sagen läßt. Diese Botschaft brachten dem Johannes seine Jünger, daß er
sich daran aufrichtete bis zu seinem Tod. Denn die rachsüchtige Königin
war mit der Gefangennehmung des Johannes noch nicht zufrieden. Sie
wartete nur auf eine Gelegenheit, ihn töten zu lassen. Die Gelegenheit
kam bald. Herodes beging seinen Jahrstag und gab vielen Vornehmen aus
Galiläa ein großes Gastgebot. Die Tochter der Herodias tanzte vor ihnen
und gefiel dem König wohl. Der König sprach zu ihr: »Bitte von mir, was
du willst! Ich will es dir geben.« Dieses war ein gefährliches Wort, und
Herodes bestätigte es ihr noch vor allen Anwesenden mit einem
leichtfertigen Eid. Die Tochter fragte ihre Mutter: »Was soll ich
begehren?« Die Mutter, kurz besonnen, antwortete ihr: »Das Haupt
Johannes des Täufers.« Wie die Mutter, so die Tochter. Sie kam zu dem
König zurück: »So will ich, daß du mir gebest alsogleich auf einer
Schüssel das Haupt Johannes des Täufers!« Auf eine solche Bitte war
Herodes nicht gefaßt. Aber aus Scheu vor den Anwesenden, daß er ein
König sein und sein Wort nicht halten sollte, schickte er in das
Gefängnis und ließ den frommen Täufer enthaupten; die Tochter empfing
sein blutiges Haupt, wie sie begehrt hatte, und brachte es auf einer
Schüssel ihrer Mutter. Es war dem König mehr daran gelegen, vor
leichtfertigen Menschen gerecht zu erscheinen als vor Gott. Eines
solchen Todes starb Johannes, der Jugendgenosse Jesu und Vorbote des
Reichs Gottes, durch die Schwachheit eines Königs und durch die
Rachsucht eines ehrlosen Weibes. Zu solchen Greueltaten kann ein Herz
gebracht werden, das die Scheu vor Gott ausgezogen und sich der Sünde
und Leichtfertigkeit ergeben hat. In welchem Herzen eine Sünde herrscht,
in demselben finden auch die andern ihre Einkehr. Als Johannes
enthauptet war, begruben seine Jünger den entseelten Leichnam ihres
teuren Lehrers, daß ihm keine Verunehrung widerführe, und kamen hernach
zu Jesu und klagten ihm ihr Leid.
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