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57. Kümmerliche Zeiten.
Also waren jetzt wieder so viel
Juden, gleichsam ein neuer Anflug, in der verödeten Heimat. Aber es
gehörte eine große Liebe zu dem vaterländischen Boden und ein großes
Vertrauen auf Gott dazu, daß sie nicht vor Betrübnis und Mutlosigkeit
vergingen, als sie an dem Ziel ihrer Reise und ihrer langen Sehnsucht
waren. Die Wohnsitze ihrer Väter, Jerusalem, die schöne Stadt, und ihr
berühmter Tempel lagen noch von der Zerstörung her in ihren Trümmern.
Was damals die Wut der Feinde nicht zertrümmern konnte, das war durch
die Länge der Zeit selber zerfallen; dazu die Felder lagen noch von so
vielen Jahren her verödet und verwildert. Da war viel wegzuräumen und
herzustellen, und ob es gleich überall gebrach, so taten die guten Leute
alles, was sie vermochten, und sind ein Beispiel, was auch in der bösen
Zeit der Mensch mit gutem Willen und Vertrauen auf Gott vermag, und wie
Gottes Kraft auch in den Schwachen mächtig ist. Zuerst errichteten sie
zwar nur einen Altar und feierten das Laubhüttenfest, weil es die
Jahreszeit mit sich brachte, obgleich sie noch keinen Segen in dem Lande
heimgetan hatten. Ein frommes Gemüt preist Gott auch in kümmerlicher
Zeit.
Denn die Gnade des Herrn währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so
ihn fürchten.
Sonst baut man zuerst die Stadt oder das Dorf, hernach die Kirche. Die
Juden dachten aber zuerst daran, wie sie den Tempel wieder bauen
wollten. Aber was alte Leute unter ihnen waren, welche den Umfang und
die Herrlichkeit des ersten Tempels noch gesehen hatten, die weinten vor
Betrübnis, als sie den ärmlichen Anfang des neuen sahen. Man konnte das
Wehklagen der Alten und die Freudengesänge der Jungen in der großen
Menge nicht unterscheiden. Tränen und Freuden sind oft nebeneinander.
Als die Samariter sahen, welche im Land der zehen Stämme wohnten, daß
die Juden an einem Tempel bauten, wollten sie auch mithalten, daß sie
auch daselbst beteten und opferten. Aber die Juden nahmen es nicht an.
Sie wollten das Ihrige besonders haben. Deswegen bauten die Samariter
für sich einen eigenen Altar auf einem Berg bei Samaria und verleumdeten
die Juden bei den persischen Königen, als ob sie Jerusalem wieder
festmachen und dem König untreu werden wollten, so daß der Bau wieder
eingestellt werden mußte und alles neue Ungemach über die Juden erging
viele Jahre lang, bis in Persien der König Darius auf den Thron kam.
Gott lenkte das Herz des Königs, daß er wie Kores gnädig gegen die Juden
war, und daß sie den Bau vollenden konnten und ihre Feste feiern. Aber
mit den Samaritern blieben sie verfeindet auf unversöhnliche Zeiten. Der
König schickte auch den Esra aus Persien heraus in die Heimat, welcher
den Gottesdienst und das Priestertum und die bürgerliche Ordnung nach
der Weise der Voreltern wieder einrichtete, so gut es möglich war. Aber
noch merkwürdiger als er ist sein nachmaliger Gehilfe Nehemias.
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