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39. Davids königliche
Taten.
Als die Philister die
Leichname Sauls und seiner Söhne auf dem Schlachtfelde gefunden hatten,
nahmen sie selbige mit in ihre Heimat und henkten sie zur Schmach
außenwendig an eine ihrer Stadtmauern. Da gedachten die Männer von
Jabes an das Heil, das einst ihr tapferer König ihrer Stadt gebracht
hatte, als sie von den Ammonitern belagert waren, und holten in der
Nacht mit eigener Lebensgefahr die teuern Leichname von den Mauern der
feindlichen Stadt und begruben ihre Gebeine in Jabes unter einem Baume.
Es ist eine schöne Grabstätte unter einem Baum, wie wenn ein müder
Wandersmann unter einem schattenreichen Baume Kühlung und Erquickung
sucht. Er schläft ein Stündlein oder etwas und steht alsdann wieder auf.
Wiewohl die Männer verbrannten zuerst die Leichname, daß ihnen nie mehr
eine Unehre widerfahren möchte. Als aber David die ehrenwerte Tat der
Männer von Jabes erfahren hatte, ließ er sie vor sich kommen und segnete
sie dafür. »Gott tue an euch Barmherzigkeit und Treue,« so sprach er zu
ihnen; »und ich will auch Gutes an euch tun, daß ihr solches getan
habt.« Also ehren gute Menschen das Andenken ihrer Verstorbenen und
denken noch an ihre Wohltaten, aber nicht mehr an ihre Fehler.
Nach diesem griff David die Feinde an, die noch von den Zeiten des Josua
her im Lande waren, und besiegte sie. Er zog vor die Stadt Jerusalem und
eroberte ihre Burg Zion, die feste Burg. Von dieser Zeit an wohnte er
und seine Nachfolger in Jerusalem in der Burg Zion. Es ist dieses die
nämliche Stadt, in welcher einst Melchisedek ein König und Priester des
höchsten Gottes war, welchem Abraham den Zehnten gab von seiner Beute.
Also regierte jetzt daselbst ein Abkömmling des Abraham als König über
das schöne Land, das Gott seinen Nachkommen verheißen hatte. Daselbst
errichtete er zwar auch die Stiftshütte und brachte die heilige
Bundeslade hinein, daß die schönen Gottesdienste unter seinen Augen
gehalten würden. Aber inwendig in seinem Herzen hatte er seinem Gott
einen viel heiligern Tempel gebaut, in welchem er gar schöne Gebete und
Kinderlehren hielt. Denn Gott wohnt nicht in Tempeln von Menschenhänden
gebaut. Seiner wird auch nicht von Menschenhänden gepflegt.
Folgendes sind einige Gebete und Kinderlehren Davids:
»Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! Aus
dem Munde der Kinder hast du dir ein Lob bereitet. — Wann ich den Himmel
sehe, deiner Hände Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitest: was
ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du
dich sein annimmst?«
Ferner:
»Du warst meine Zuversicht, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war. —
Du bist mein Gott von meiner Mutter Leibe an.«
Ferner:
»Deinen Willen, mein Gott, tue ich gerne, und dein Gesetz habe ich in
meinem Herzen.«
Ferner:
»Kommet her, Kinder, höret mir zu: ich will euch die Furcht des Herrn
lehren. Wer ist, der gut Leben begehret und gerne gute Tage hätte?
Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, das sie nicht falsch
reden. Laß vom Bösen, tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach!«
David ermahnt auch die Kinder zu einem fleißigen Morgen- und Abendgebet:
»Wenn ich mich zu Bette lege, so denk’ ich an dich; wenn ich erwache, so
rede ich von dir. Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten
deiner Flügel rühme ich. Meine Seele hanget dir an; deine rechte Hand
erhält mich.«
So kann jeder Mensch fein Inwendiges, sein Herz zu einem Kirchlein
Gottes machen, wenn er solche Gebete und Lehren in sich hineinnimmt und
daran denkt und also lebt.
»Gib mir, mein Kind, dein Herz!«
David sprach: »Ist auch noch jemand übriggeblieben von dem Geschlechte
Sauls, daß ich Barmherzigkeit an ihm tue um Jonathans willen?« war noch
ein Sohn des Jonathan übrig mit Namen Mephiboseth. Er wohnte in Lodebar
und war lahm an beiden Füßen. David gab ihm alle Äcker seines Großvaters
Saul wieder. Mephiboseth aber mußte nach Jerusalem ziehen und alle Tage
an dem Tische Davids essen wie seine eigenen Kinder, daß er den Sohn
seines Freundes bei sich hätte und ihm eine königliche Ehre antäte.
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